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Faustball - Geschichte

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Faustball im MTV Wangersen – Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

von Ewald Albers, jetzt Zeven

Wann das Faustballspiel zwischen den beiden Weltkriegen seinen Einzug in Wangersen hielt, lässt sich wahrscheinlich nicht mehr ermitteln. Auf jeden Fall ist überliefert, dass es sowohl im MTV Wangersen als auch im Sportverein für Hohenhausen und Klein Wangersen eine Faustballmannschaft gab (siehe dazu die Ausführungen in der Chronik Wangersen von 2005). Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurde jedoch der Spielbetrieb eingestellt: Die meisten aktiven Spieler wurden, wie in den benachbarten Vereinen auch, zum Waffendienst eingezogen. Erst nach deren Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft konnte man an den Wiederbeginn des Übungsbetriebs für Faustball denken.

   Auf dem damaligen Sportplatz hinter Hinrich Tomhaves Gasthof zur Linde (heute: Ponderosa) war auf dem Gras- und Sandboden ein Faustballfeld markiert, wo dann besonders nach Beendigung der Übungen für den leichtathletischen Dreikampf die Möglichkeit zum Mitspielen bestand. Damals durften junge Leute erst nach der Entlassung aus der Volksschule mitmachen. Und sie durften sich auch nur so lange am abendlichen Faustballspiel beteiligen, bis genug ältere Spieler auf den Platz standen. Danach blieben die Spieler der ersten und der zweiten Mannschaft auf dem Feld: Männermannschaften versteht sich.

   Und vom Kreisfaustballwart Hans-Heinrich Meyer von Güldenstern Stade wurden auf Kreisebene schon vor der Währungsreform im Juni 1948 die ersten Punktspiele organisiert. Nach meiner Erinnerung könnte es schon im Jahr 1946 gewesen sein. In drei verschiedenen Gruppen wurden die Sieger ermittelt. Diese Namen verbinde ich mit den jetzt beginnenden Punktspielen der 1. Männermannschaft: Heinrich Brinkmann, Heinrich Kröger, Klaus Meyer, Heinrich Wiebusch und Hinrich Albers sowie etwas später Wilhelm Pott.

   Der MTV Wangersen traf in seiner Gruppe unter anderem auf den MTV Kakerbeck, den SV Beckdorf und den VfL Horneburg und wurde ungeschlagen Gruppensieger. Güldenstern Stade und MTV Hammah, die beiden anderen Gruppensieger, kamen an einem Wochenabend nach Wangersen, um dort an der Endrunde teilzunehmen. Güldenstern Stade platzierte sich in diesem Jahr vor MTV Wangersen und MTV Hammah und wiederholte den Erfolg in den folgenden Jahren mehrmals. Für die Männermannschaft des MTV Wangersen blieb für eine ganze Reihe von Jahren immer nur die Vizemeisterschaft, so dass dem Verein der Start bei den Bezirksmeisterschaften verwehrt blieb.

   Der TuS Güldenstern Stade qualifizierte sich auch in den folgenden Jahren für die Bezirksmeisterschaften, wurde wiederholt Bezirksmeister und qualifizierte sich dadurch für die Landesmeisterschaften. Dort stellte der damalige Bezirksturnspielwart Klaus Meyn vom SV Armstorf im Jahr 1948 fest, dass auch für die männliche Jugend eine Landesmeisterschaft ausgetragen wurde. Über die einzelnen Spielwarte in den Kreisen regte er an, im Jahr 1949 für die männliche Jugend ebenfalls Rundenspiele auszuschreiben.

   Durch Rundfragen bekam man in Wangersen die Sicherheit, dass sich genug Jugendliche beteiligen würden: Erwin Schnackenberg, Johannes Eckhoff, Gerhard Schnackenberg, Jürgen Böttger und Ewald Albers waren die Spieler des ersten Sommers. (Im zweiten Sommer wurde Johannes Eckhoff durch Artur Kleinknecht ersetzt.) Im Frühsommer begannen die Übungsabende, denen aber bald die ersten Punktspiele folgten.

   Nach Beckdorf fuhren wir fünf Spieler mit dem Fahrrad, ohne einen Betreuer. Zu den Punktspielen in Himmelpforten wurde für die fünf Jugendlichen ein Taxi der Firma Behrmann aus Ahlerstedt angemietet. Unsere Gegner hatten zum Teil noch weniger geübt als wir, so dass wir alle Spiele gewannen, sogar gegen den leicht favorisierten SV Beckdorf, dessen Mannschaft durch ein wesentlich höheres Durchschnittsalter und früheren Übungsbeginn allen Konkurrenten überlegen schien. Doch die Wangerser Jungen gewannen alle Spiele und wurden ungeschlagen Kreismeister. Das begeisterte besonders den bis dahin zögernden Spielwart Heinrich Brinkmann, der uns jetzt gerne mitten in den Sommerferien zu den Bezirksmeisterschaften in Stade schickte. Auch dort gewannen wir alle Spiele und wurden durch den Endspielsieg gegen den SV Armstorf Bezirksmeister.

   Der Vorstand des MTV Wangersen meldete uns nun zwar zu den Landesmeisterschaften in Westerstede an, wusste bei der damaligen Ebbe in der Kasse des Vereins aber nicht, wie wir zur zweitägigen Veranstaltung transportiert werden sollten. Ein ähnliches Problem hatten der MTV Kakerbeck für seine Frauenmannschaft und Güldenstern Stade für seine beiden Männermannschaften. Einem Spieler der Altersklassenmannschaft von Güldenstern Stade, Angestellter der Stadt Stade, gelang es, für das Wochenende von der Stadt Stade einen LKW mit Fahrer zu leihen. Als wir am Sonnabendmorgen vor dem Gasthof zur Linde abgeholt wurden, bestiegen wir den Lastwagen und setzten uns auf die losen Holzbänke, die man für uns freigehalten hatte. In Westerstede war unsere Übernachtung in einem „Massenquartier“ vorbereitet. Auf einer Diele lag ein Stapel Heu, in dem sich jeder von uns „einrichten“ durfte.

   Überrascht waren nicht nur die Verantwortlichen des MTV Wangersen, dass unsere Mannschaft ins Finale gelangte, dort aber deutlich gegen den SC Einigkeit Braunschweig-Gliesmarode verlor. Da deren Mannschaft aus Altersgründen das letzte Jahr in der starken Besetzung zusammen spielte, rechneten wir uns für das kommende Jahr 1950 reelle Chancen für die Landesmeisterschaft aus, da von uns niemand zu alt wurde.

   Wir wurden denn auch ungefährdet wieder Kreis- und Bezirksmeister und gelangten bei den Landesmeisterschaften in Stade mit deutlichen Siegen erneut ins Finale. Doch bei ungewohntem Spiel im Regen unterlagen wir dem bis dahin eher glanzlos spielenden TK Hannover. Durch das zweimalige Eindringen ins Endspiel war beim MTV Wangersen der Grundstein für eine jahrzehntelange erfolgreiche Jugendarbeit gelegt. Die Anfangserfolge der männlichen Jugend hatten im Verein noch eine andere Auswirkung.

   Als 1952 Meisterschaften für die weibliche Jugend ausgeschrieben wurden, meldete der MTV Wangersen eine Mannschaft an. Unter der Betreuung von Gerhard Schnackenberg und Ewald Albers wurden Annegret Brunkhorst, Grete Bredehöft, Marga Lühmann, Ilse Albers und Ursula Höft 1952 und 1953 sowohl Kreis- als auch Bezirksmeister und erreichten bei den Landesmeisterschaften in beiden Jahren das Finale, verloren aber auch beide Spiele. Dieser zusätzlich gelegte Grundstein war die Basis für die vielen Erfolge, die sich vor allem die weibliche Jugend in den folgenden Jahrzehnten erspielte. In Niedersachsen stand der Name MTV Wangersen bald als Synonym für eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit.